Über das Projekt
In Bandar – Abbas als Tochter eines iranischen Vaters und einer deutschen Mutter geboren, begleitet mich die Erfahrung von Migration, kultureller Vielschichtigkeit und gesellschaftlichen Umbrüchen bis heute.
Nach meinem Studium der Kamera sowie einem Bachelor in Islamwissenschaften habe ich Visuelle Anthropologie mit dem Schwerpunkt Mensch, Natur und Umwelt studiert.
Geprägt wurde mein Weg jedoch nicht nur durch akademische Räume, sondern vor allem durch Begegnungen, Reisen und das Beobachten gelebter Solidarität.
Auf meinen Reisen und durch die Arbeit in unterschiedlichen sozialen und politischen Kontexten konnte ich zahlreiche selbstorganisierte Initiativen, Graswurzelbewegungen und solidarische Netzwerke kennenlernen. Besonders geprägt haben mich dabei feministische und gemeinschaftsorientierte Strukturen, die aus unmittelbarer Notwendigkeit heraus entstanden sind — oft leise, improvisiert und dennoch von großer Kraft getragen.
Aus dieser Erfahrung heraus gründete ich 2015 in Berlin eine Grassroots-Organisation (Flamingo) zur Unterstützung geflüchteter Frauen und Kinder.
Die Arbeit in aktivistischen Kontexten hat meinen Blick auf Gemeinschaft, Fürsorge und Widerstand nachhaltig verändert.
Mich interessieren vor allem Formen des Handelns, die jenseits institutioneller Sichtbarkeit entstehen:
Menschen, die schnell und intuitiv Verantwortung füreinander übernehmen, die Wissen teilen, Ressourcen gemeinsam nutzen und in enger Verbundenheit mit ihrer Umwelt handeln.
Ob in Gemeinschaftsgärten, in selbst aufgebauten Frauendörfern, Orte, die durch Kriege und Vertreibung wieder aufgebaut werden:
In allen sehe ich Räume der Heilung, der Erinnerung und der Regeneration — Orte, an denen Fürsorge, Selbstermächtigung und Zusammenhalt auf eine unmittelbare Weise erfahrbar werden.
„Women in Solidarity“ ist eine wachsende Plattform, in der ich meine Projektbesuche in persönlichen Reiseberichten zusammengefasst habe.
Sie soll ermutigen, den Blick auf die stillen, kraftvollen und solidarischen Bewegungen zu lenken und diese nicht institutionell geförderten Projekte finanziell zu unterstützen.
Viel Freude beim Lesen wünscht Ihnen
Anuscheh Amir-Khalili
Über die Illustratorin:
May Franzen (1998) ist bildende Künstlerin, Illustratorin und Aktivistin an der Schnittstelle von Kunst, Buchgestaltung und ökologischem Erzählen. Aufgewachsen in St. Gallen in der Schweiz entwickelte sie früh eine enge Beziehung zu Tieren und zur Natur – geprägt von vielen Stunden des Zeichnens und der stillen Beobachtung nichtmenschlichen Lebens. Diese Erfahrungen bilden die Grundlage einer Praxis, die auf Aufmerksamkeit, Fürsorge und politischem Zeuginnenschaft basiert.
Über das Coverbild:
Ein wertvoller kaukasischer Drachenteppich aus dem 17. Jahrhundert verbrannte teilweise aufgrund eines Bombenangriffs auf das Pergamonmuseum in Berlin im 2. Weltkrieg.
Ab Juni 2027 wird hier in der Dauerausstellung sein 2022 von einem indischen Frauenkollektiv geknüpfter Doppelgänger innerhalb des Projektes „Cultural x Collabs – Weaving the Future“ zu sehen sein. 100 Teppichfragmente bereisten die Welt und erzählen von gesellschaftlichen Verflechtungen, von Geschichten und Erlebnissen, die uns verbinden.
„Women in solidarity“ erzählt von der Kraft der Verbindung und den Mut von Gemeinschaften, Orte aufzubauen, die Kraft und Zusammenhalt wieder spiegeln.
Das Coverbild ist ein Teil der Fragmente und lebt von dem Zusammenhalt der anderen Fragmente auf allen Teilen der Welt. Die hier beschriebenen Projekte sind alle miteinander verbunden und werden durch viele weitere ergänzt und wachsen, verbreiten sich, geben sich untereinander Kraft und Zuspruch, sind miteinander verknüpft.
May Franzen malte ihre Version des Fragments:
„Ausgehend von der fotografischen Vorlage habe ich versucht, das ursprüngliche Knüpfmuster nicht direkt zu kopieren, sondern in eine eigene malerische Sprache zu übersetzen. Dafür entwickelte ich eine Aquarelltechnik, die ich als eine Art „malerisches Weben“ verstehe: Durch das Überlagern horizontaler und vertikaler Linien in den Grundfarben Blau, Gelb und Rot entstehen durch viele transparente Lasuren die Mischung neue Farbtöne. An den Überlagerungen der Linien bilden sich visuelle „Knoten“, die formal an die Struktur eines geknüpften Teppichs erinnern.
Diese Linien stehen für mich sinnbildlich für die Vielzahl an humanitären und feministischen Graswurzelbewegungen weltweit – einzelne Initiativen, Projekte und Menschen, die unabhängig voneinander agieren und doch miteinander verbunden sind. In ihrer Überlagerung und Wechselwirkung entfalten sie eine kollektive Kraft. Mein Bild versteht sich daher als Visualisierung eines lebendigen Netzwerks: ein Geflecht aus Engagement, Solidarität und gegenseitiger Unterstützung, das – trotz fragmentierter Ausgangslage – eine vielschichtige, farbenreiche Einheit entstehen lässt.“
https://islamic-art.smb.museum/en/story/culturalxcollabs